Antonia C. Wesseling

Autorin



Lieber Leser,

manchmal fragen mich Leute, wie es eigentlich dazu kommt, dass ich Autorin werden möchte.

Natürlich habe ich auch als kleines Kind immer diese Gedanken gehabt: Auch ich wollte Prinzessin werden, Schauspielerin oder Sängerin. Aber das waren alles keine Träume. Träume sind etwas, was durchgängig in deinem Kopf ist, sodass du an nichts anderes mehr denken könnt. Bei mir ist schreiben mittlerweile zu einer Sucht geworden. Ob das schon immer so war? Ich weiß es nicht!
Aber ich möchte euch gerne erzählen, wie es dazu gekommen ist.
Angefangen hat es glaube ich am 19.6.2006.
Da war ich 7 Jahre jung und habe von meiner Grundschullehrern ein leeres Büchlein geschenkt bekommen.
Voller Eifer notierte ich meine Ideen, zeichnete dazu wild los und stellte plötzlich fest, dass das Büchlein ja schon voll war.
Aber meine Lehrerin fand noch eins und gab es mir als Belohnung für meinen Fleiß.
Auch das Büchlein wurde natürlich zu Ende geführt und durfte seine eigenen Geschichten erleben. Unausgereift, teils unverständlich, aber von Herzen kommend: Halt die eines 7-jährigen Mädchens.

Aber das reichte mir nicht. Ich wollte mehr erreichen, als ein paar Buchseiten mit Filzstift zu füllen. Ich schrieb also motiviert drauf los, verwandelte weiße Blätter in ein wirres Durcheinander von Wörtern und kreierte neue Handlungen. Ich erfand Länder und Tiere, Namen, Gerichte, Sprachen und... und... und. Und glaubt mir, es gibt keine Welt, in der man mehr Sprachen spricht, diverseste Speisen isst, wunderbarste Menschen trifft und einzigartige Erlebnisse durchgeht, als in der einer jungen Autorin. Denn eines, was ich im Laufe der Jahre gelernt habe, ist, dass es manchmal einfacher ist, klein zu sein. Man wird von der Außenwelt noch vor so viel geschützt. Und genau deshalb liebt ein jeder doch die Schreibe eines Kindes: gerade, weil in den Gedanken eine gewisse Naivität steckt.
Aber genau daraus wollte ich entfliehen.
Ich wollte den Leuten zeigen, dass ich schreiben konnte. Ich wollte, dass man stolz auf mich war.
Deshalb erfand ich eine Halloween Geschichte. Noch heute habe ich die Handlungsstränge nicht richtig verstanden und leider ist sie mir auch irgendwann verloren gegangen. Aber in meinem Kopf werde ich sie trotzdem als gelungen behalten. Und zwar, weil ich aus ihr gelernt habe. Gelernt, dass schreiben bedeutet, sich an etwas ranzusetztem und zu arbeiten. Und zwar, für seinen Traum. Für meinen!Traum.
Es blieb dann nicht bei dieser zweiseitigen Halloween Geschichte (bei der ich übrigens damals auf einen dreibändigen Roman spekulierte). Ich tippte eifrig neue Geschichten in den Computer, füllte Kladden, plante meine Karriere als Autorin.
Ich wollte eine Bücherei eröffnen.
"Platz für leseratten."
Eine Bücherei von Kindern für Kinder.
Genau aus einem Grund: damit endlich auch einmal wir eine Chance kriegen würden, verstanden zu werden.
Ich machte Aushänge für Spenden und Lesungen, sparte für Einrichtung und genoss den Gedanken daran, einst die Regale mit meinen eigenen Büchern zu füllen.
Und diese Vorstellung blieb. Jahrelang. Währenddessen schrieb ich unzählige Bestseller. Ja, sie waren Bestseller. Sie wurden nämlich gekauft. Wenn auch nur von Nachbarn, Freunden und Verwandten. Aber sie unterstützten mich, gratulierten mir zu meinem Erfolg und freuten sich auf weitere Teile. Und damit machten sie mich als junges Mädchen sehr glücklich. Wer weiß, ob ich sonst noch dran geblieben wäre...
Noch heute erinnere ich mich daran, wie ich auf dem Sofa einer Großtante saß und mit dem kleinen Schwein, das auf dem Deckblatt meines Buches abgebildet war, um die Wette strahlte. Und genauso ging es weiter. Meine Geschichten entwickelten sich. Sie wurden dicker, ausfeiltet, geplanter und ich... Ich wurde nicht unbedingt zufriedener.
Denn mit meinen kleinen Erfolgen, wuchsen auch meine Erwartungen gegenüber mir selbst.
Ich wollte mich immer wieder übertreffen. Mehr Seiten. Bessere Wörter. Stärkere Protagonisten. Ausgefeilterer Plot.
"Die Hochzeit des Herrschers" entstand dann 2011. Ich nahm mir vor, während ich die ersten Seiten im Januar an meinem Schreibtisch in Serm in die Tastatur tippte, das Manuskript niemandem anzuvertrauen und es erst nach seiner Vollendung zu präsentieren. Ich war dann bei genau zwei Seiten, als ich meiner Mutter den Anfang meines Werkes vorlas. Stolz nahm ich es mit in die Schule, durfte im Deutschunterricht vorlesen und freute mich über Anregung von meinen Mitschülern.
Es motivierte mich unheimlich, wie gerne sie mir zuhörten, sodass ich freudig im Sommer mein Buch beendete. Mein erstes eigenes Buch. Ich kann euch sagen: Magisch.
Erst später....ungefähr ein halbes Jahr danach, stieß ich durch eine Internetrecherche auf Epubli.
Günstig, praktisch, gut. Ich war begeistert.
27€ zahlte ich für einen gebundenen Buntdruck und war der glücklichste Mensch auf der ganzen Welt, als mein Buch dann 10 Tage später durch die Post eintrudelte. Mein Glück konnte ich nicht fassen, musste mich erst einmal auf die Straße legen und tief ein und aus atmen. Ich verspürte etwas. Und zwar... einfach nur Stolz!
So ging es dann weiter und weiter. Ich bekam einfach nicht genug...
"Ruf der Geliebten" kam ein Jahr später heraus und auch hier fühlte es sich kein bisschen weniger gut an, als ich den Einband gegen meine Brust drücken konnte.
Leute, mal im Ernst. Keine PlayStation der Welt, kein Samsung Galaxy und kein Mac Pro kann sich so gut anfühlen, wie es ist, wenn du dein eigenes Buch in den Händen hältst. Noch bei "Die Nachtsänger" und auch noch heute schlägt mein Herz mir bis zur Brust, nein, bis zur Haarspitze, wenn der Postbote klingelt und ich weiß, was das nun zu bedeuten hat.
Und genau deshalb schreibe ich das nun alles.
Einfach, weil ich euch davon berichten will, was Träume sein können.
Träume können wehtun, sie können einen quälen. Auch das muss ich noch heute schmerzhaft feststellen.
Aber ein Traum ist auch das, was dich am Leben hält, wenn gar nichts mehr geht.

 

 

Früher:)


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